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      Die Jahreshauptversammlung der FECOF fand dieses Jahr in der Tschechischen Republik statt

      Vom 8. Bis 10. Oktober 2019 wurde die Jahreshauptversammlung der FECOF vom tschechischen Waldbesitzerverband SVOL ausgerichtet. Die Veranstaltung stand ganz im Zeichen der Folgen des Klimawandels für die Forstwirtschaft in Europa. Begleitend zur Sitzung im Rathaus der Stadt Pilsen wurde ein umfangreiches Exkursionsprogramm geboten. Hier stand insbesondere das Thema „Urban Forestry“ im Fokus.

      © FECOFGleich nach Ankunft und Begrüßung der Teilnehmenden am Flughafen stand zu Beginn der dreitägigen Veranstaltung ein Besuch der forst- und holzwissenschaftlichen Fakultät der Universität Prag auf dem Programm. Hier referierte der zuständige Direktor der ministerialen Forstabteilung über die tschechische Forstwirtschaft und ging insbesondere auf die momentan dramatische Waldschadenssituation des Landes ein. Als größten Probleme für die Walbesitzenden werden demnach die rasant sich verändernden Umweltbedingungen angesehen und das Fehlen an gut ausgebildetem Personal in der Fläche, was die Umsetzung notwendiger Waldschutz- und Waldpflegemaßnahmen stark einschränkt. Mit etwa 17% Kommunalwaldanteil sind die Städte und Gemeinden in Tschechien unmittelbar von den enormen Waldschäden durch Borkenkäfer und Trockenheit betroffen. Das Ministerium unterstützt die Waldbesitzer im Wesentlichen mit pauschalen Fördersätzen für notwendige Maßnahmen der Borkenkäferbekämpfung (Einschlag, Transport, Lagerung von Schadholz). © FECOFIm übergeordneten Kontext ist auch geplant, zur Unterstützung der Waldbesitzer stärker auf europäische Fördermittel zurückzugreifen.

      Einen tieferen Einblick in die Hintergründe der momentanen Borkenkäferplage in Tschechien lieferte der Leiter der forstlichen Fakultät, Prof. Marek Turcani sowie der Forstwissenschaftler Herr Dr. Miroslav Svoboda. Sie stellen fest: Zum ersten Mal in der Geschichte der Forstwirtschaft in Tschechien sind Borkenkäfer der größte Wald-Schadensfaktor. Die Ursachen hierfür sind multifaktoriell. So trifft ein sehr großer Anteil an anfälligen Fichtenmonokulturen auf einen starken Rückgang an Forstpersonal. Die durch Trockenstress und warme Temperaturen ausgelöste Borkenkäfermassenvermehrung kann so nicht ausreichend eingedämmt werden. Aufwändige Ausschreibungsprozesse zur Gewinnung von Forstdienstleistern stehen der Notwendigkeit, schnellstmöglich Sanierungshiebe umzusetzen, entgegen. Zudem haben viele Waldbesitzende insbesondere im © FECOFPrivatwald das Interesse an ihrem Wald verloren. In Bezug auf die Wiederbewaldung der zum Teil riesigen Schadflächen forderte Dr. Svoboda auf Grundlage seiner Untersuchungen eine stärkere Berücksichtigung natürlicher Wiederbewaldungsprozesse, um eine vielfältige, reich strukturierte und damit risikogeminderte zukünftige Waldgeneration zu etablieren. So gesehen sieht der Wissenschaftler die heutige Krise auch als Chance für den Wald von morgen. Grundvoraussetzung herfür ist jedoch eine angepasste Bejagung von Rot- und Rehwild, wie Prof. Turcani feststellte.

      Sehr beeindruckt waren die vertretenen Mitglieder der FECOF von den neuen Lehr- und Forschungsräumen der Fakultät, die eine optimale Ausbildung der jungen Forstwissenschaftler ermöglichen. Moderne Lehrräume, leistungsfähige „Superrechner“, 3D-Drucker, hochauflösende elektronische Mikroskope und ein Arboretum auf dem Dach des neuen Gebäudes: Hier wurde wirklich an alles gedacht, was eine moderne Forstausbil© FECOFdung ausmacht. Dabei wurde das jüngst abgeschlossene Bauprojekt in erheblichen Umfang durch EU-Mittel unterstützt.

      Am folgenden Tag ging es bereits am frühen Morgen zu einer Exkursion in den städtischen Forstbetrieb der Stadt Pilsen. Dort wurden die Aufgabenvielfalt und damit die Besonderheit des Kommunalwaldes deutlich. Im Zentrum des umfangreichen Flächenmanagements der Stadt steht die Erholung der lokalen Bevölkerung. Gewässermanagement, Waldpädagogik oder Sport- und Gesundheitseinrichtungen sind hierbei als Stichworte zu nennen. Höhepunkt der Exkursion war eine Führung durch das stadteigene forstliche Arboretum „Sofronka“. Die Kiefern-Anbauversuche machten dabei deutlich, wie unterschiedlich verschiedene Baumarten und Provenienzen mit bestimmten standörtlichen Gegebenheiten zurechtkommen. Insofern stellen solche forstwissenschaftlichen Versuchsflächen eine wichtige Grundlage für heutige und zukünftige forstwirtschaftliche Entschei© FECOFdungen dar.

      Die nachfolgende FECOF-Hauptversammlung im Rathaus der Stadt Pilsen stand ganz im Zeichen der momentanen Waldschäden in Europa. Der Präsident der SVOL, Herr Frantisek Kucera stellte in seiner Begrüßung klar, dass insbesondere die kleinen Kommunen in Tschechien stark unter den enormen Waldschäden durch Trockenheit und Borkenkäfer leiden. Aus alleiniger Kraft können sie die große Herausforderung, ihren Wald fit für die Zukunft zu machen, nicht bewältigen und benötigen daher gesamtgesellschaftliche Hilfe. Der Präsident der FECOF, Herr Pierre Grandadam, betonte in seiner Begrüßungsrede die Bedeutung des Kommunalwaldes als Mittler zwischen Politik und lokaler Bevölkerung. Wichtige Aufgabe der kommunalen Waldbesitzenden sei es daher, im Dialog mit ihren Bürgern die gesellschaftliche Akzeptanz einer multifunktionalen, nachhaltigen Waldbewirtschaftung zu stärken. Grundpfeiler hierfür sind Transparenz, © FECOFgegenseitiges Vertrauen und auch die Fähigkeit, sich kritisch mit dem eigenen Handeln auseinanderzusetzen. Eine vorbildliches Wald-Management gebe es jedoch nicht zum Nulltarif. Angesichts der dringenden Notwendigkeit in ganz Europa, die Wälder an sich ändernde Umweltbedingungen anzupassen und damit ihre vielfältigen Leistungen für Natur und den Menschen zu erhalten, verabschiedeten die versammelten FECOF-Mitglieder die gemeinsame Erklärung „Waldbesitzende Gemeinden am Scheideweg des Klimawandels“.

      Den Abschluss der Veranstaltung bildete am darauffolgenden Tag ein Besuch bei der Grünflächenverwaltung der Stadt Prag. Die Exkursion verdeutlichte die Probleme und Lösungswege im Zusammenhang mit dem Thema „Urban Forestry“. Mit großem Aufwand stellt die Stadt sicher, dass in den städtischen Grünflächen sowohl die Belange der Bevölkerung als auch der Natur ausreichend Berücksichtigung finden. Angesichts der 1,3 Mio. Einwohnern der Landeshauptstadt, ist dies eine große Herausforderung für die städtischen Mitarbeiter, die es täglich aufs Neue zu meistern gilt. Abschließend dankte Herr Grandadam den Gastgebern herzlich für die Organisation der diesjährigen FECOF-Jahreshauptversammlung und stellte fest, dass es für alle Beteiligte eine sehr gelungene Veranstaltung war, was sich in den vielen interessanten Diskussionen und den wertvollen Eindrücken wiederspiegelte.

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